QUID-Seminare

Seminare – Erfolgreiche QUID-Seminare in Willich

Im Rahmen der regelmäßig durchgeführten Seminare im Hause der Florin GmbH wurden im April und Juni zwei Workshops Lebensmittelrecht und Qualitätssicherung mit der umfangreichen Thematik der mengenmäßigen Kennzeichnung von Zutaten (QUID) im Schwerpunkt durchgeführt. Referenten mit ausgewiesenen Erfahrungen aus der Praxis konnten ihre Kenntnisse zu aktuellen Fragestellungen bezüglich der Novellierung der Lebensmittelkennzeichnungs-Verordnung und aktuellen Anwendungsmethoden in der Qualitätssicherung vor insgesamt mehr als 100 Teilnehmern vermitteln.

Prof. Dr. Werner Untze, ehemals TFH Berlin, referierte in mehreren Abschnitten beider Seminare über die neuen Regelungen des § 8 der Lebensmittelkennzeichnungs-Verordnung. Es wurden die aktuellen Rechtsvorschriften der gesamten Lebensmittelkennzeichnung und die dazugehörenden Verkehrsauffassungen erläutert. Dabei wurde besonders umfassend auf Auslöse- und Ausnahmetatbestände des § 8 LMKV eingegangen und anhand mehrerer Beispiele aus den Bereichen Fleischverarbeitung, Sauerkonserven, Gemüsekonserven, Fertiggerichte, Backwaren, Gewürze und Feinkost ausführlich hinterlegt. Dabei wurde großer Wert auf eine hohe Praxisnähe gelegt. In der anschließenden Diskussion hatten die Teilnehmer Gelegenheit, Probleme aus Ihren jeweiligen Bereichen darzulegen und von den anwesenden Fachleuten analysieren zu lassen.

Grundsätzlich gilt:

  • Die mengenmäßige Angabe der Lebensmittelzutaten ist für alle Lebensmittel in Fertigpackungen, auch Getränke, vorgeschrieben, wenn sie mehr als eine Zutat enthalten.
  • Die Regelung gilt nicht für Kakao, Kakaoerzeugnisse, Kaffee-Extrakte, Zuckerarten, Honig und Aromen.
  • Die in den Lebensmitteln natürlich vorkommenden Bestandteile, die nicht als Zutaten hinzugefügt werden, fallen nicht unter diese Regelung (z.B. Koffein in Kaffee).

Die Notwendigkeit der Mengenangaben von Zutaten ergibt sich aus den sogenannten Auslösetatbeständen, wenn auf eine Zutat oder einer Gattung von Zutaten in der Verkehrsbezeichnung hingewiesen wird. Der Hinweis wird als eine Hervorhebung angesehen. Eine Hervorhebung kann durch Wortangaben oder durch bildliche Darstellungen erfolgen.

Die mengenmäßige Kennzeichnung von Zutaten ist in den folgenden Fällen erforderlich:

  • wenn die Bezeichnung der Zutat bzw. Gattung der Zutaten in der Verkehrsbezeichnung genannt sind
  • wenn die Verkehrsbezeichnung darauf hindeutet, dass das LM die Zutat bzw. die Gattung der Zutaten enthält
  • wenn Zutaten bzw. die Gattung der Zutaten in Wort, Bild oder in graphischen Darstellungen hervorgehoben/genannt sind
  • wenn die Zutat bzw. die Gattung der Zutaten von wesentlicher Bedeutung für die Charakterisierung des LM und seiner Unterscheidung von anderen LM ist, mit denen es aufgrund seines Aussehens, Aufmachung oder Bezeichnung verwechselt werden kann.

Eine Reihe von Ausnahmetatbeständen werden in der Rechtsverordnung (§ 8 (2) LMKV) genannt, die eine Mengenkennzeichnung von Zutaten nicht erforderlich machen:

Die Mengenangaben von Zutaten sind nicht erforderlich, wenn

  • das Abtropfgewicht nach § 11 der Fertigpackungs-Verordnung angegeben ist,
  • die Menge einer Zutat oder Zutatenklasse aufgrund einer anderen Gemeinschaftsvorschrift angegeben sein muß,
  • die Zutat nur in einer geringen Menge zur Geschmacksgebung verwendet wird,
  • oder die Angabe der Zutat in der Verkehrsbezeichnung nicht für die Kaufentscheidung des Verbrauchers ausschlaggebend ist und unterschiedliche Mengen für die Charakterisierung des Lebensmittels nicht wesentlich sind.

Die Mengenangaben sind weiterhin nicht erforderlich, wenn

  • in anderen Gemeinschaftsvorschriften die Menge der Zutat oder der Gattung der Zutaten konkret festgelegt ist, deren Mengenangaben auf dem Etikett aber nicht vorgeschrieben ist,
  • bei Obst- und Gemüsemischungen die Obst- oder Gemüsearten sowie bei Gewürzmischungen oder Gewürzzubereitungen die Gewürzarten in anderer Reihenfolge angegeben werden, sofern sich die Obst-, Gemüse- oder Gewürzarten in ihrem Gewichtsanteil nicht wesentlich unterscheiden und im Verzeichnis der Zutaten ein Hinweis wie „in veränderlichen Gewichtsanteilen“ angegeben ist,
  • Vitamine oder Mineralstoffe angegeben werden, die im Sinne der Nährwertkennzeichnungs-Verordnung gekennzeichnet werden müssen.
  • Ferner ist eine Mengenkennzeichnung in Fällen des § 9 Abs. 2 und 3 der Zusatzstoffzulassungs-Verordnung bei Süßungsmitteln und Tafelsüßen nicht erforderlich.

Die Kenntlichmachung der anzugebenden Zutatenmengen oder der Gattung der Zutaten erfolgt in Prozenten, bezogen auf den Zeitpunkt ihrer Verwendung bei der Herstellung des Lebensmittels. Die Angabe muß in unmittelbarer Nähe der Verkehrsbezeichnung oder im Verzeichnis der Zutaten oder Gattung der Zutaten erfolgen.

Wenn der Menge, der bei der Herstellung des Lebensmittels verwendeten Zutaten, infolge einer Hitze- oder einer sonstigen Behandlung oder Verfahren Wasser entzogen worden ist, so muß die Zutatenmenge der verwendeten Zutat bezogen auf das Endprodukt angegeben werden. Übersteigt hier die Menge einer Zutat oder die in der Etikettierung anzugebende Gesamtmenge aller Zutaten 100%, so erfolgt die Angabe in Gewicht der für die Herstellung von 100 g des Enderzeugnisses verwendeten Zutat oder Zutaten.

Unter Berücksichtigung der Übergangsregelung und des Aufbrauchens von Beständen an Etiketten oder sonstigen bedruckten Verpackungsmaterialien, ist die Mengenkennzeichnung von Zutaten ab dem 01.01.2001 verpflichtend. Bis dahin dürfen Fertigpackungen noch nach altem Recht gekennzeichnet und über diesen Zeitpunkt hinaus abverkauft werden. Es ist also anzuraten, sich bereits jetzt mit der Neugestaltung der Etiketten zu befassen, um auch dem wachsenden Druck des Handels im allgemeinen Wettbewerb entgegenzuwirken.

Prof. Dr. Werner Untze stellt zusammenfassend heraus, daß die Umsetzung der neuen lebensmittelrechtlichen Regelung zur Mengenangabe von bestimmten Zutaten nach der Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung vom 15.12.1999 in die Praxis der Lebensmittelwirtschaft einer sogenannten Einzelfallprüfung unter Einbeziehung der notwendigen Lebensmittelkennzeichnungsvorschriften in den einzelnen Verordnungen in Verbindung mit den vom Hersteller gewünschten Etikettangaben und Auslobungen der unterschiedlichen Lebensmittel/ Lebensmittelgruppen bedarf. Eine Irreführung oder Täuschung des Verbrauchers durch falsche Angaben muß selbstverständlich in jedem Falle vermieden werden.

Sehr positiv stellten die Seminarteilnehmer heraus, dass nahezu alle Lebensmittelgruppen in praxisnahen Beispielen ausführlich behandelt werden konnten. Der hohe Diskussionsanteil an diesen Arbeitsseminaren bestätigte den umfangreichen Klärungsbedarf bei der Umsetzung der einzelnen Elemente der Verordnung in die Praxis.